• © Nationalpark Berchtesgaden
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ECONNECT– Improving Ecological Connectivity in the Alps

Ziel ist die Wiederherstellung ökologischer Verbindungen im Alpenraum.

Für das im Rahmen des EU-Programms „Alpine Space“ finanziell geförderte Projekt haben sich insgesamt 16 Projektpartner aus dem Alpenraum zusammengeschlossen. Dazu zählen neben Schutzgebietsverwaltungen auch wissenschaftliche Einrichtungen und Partnerinstitutionen sowie internationale Organisationen. Koordiniert wird das Projekt vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

 

Ökologische Verbindungen in der Landschaft sind von großer Bedeutung, um die biologische Vielfalt in den Alpen zu erhalten – Tiere und Pflanzen werden durch zahlreiche Barrieren (z.B. dicht besiedelte Gebiete, Autobahnen, Flussverbauungen) daran gehindert zwischen verschiedenen Habitaten zu wandern. Zerschnittene Lebensräume sind jedoch gerade angesichts des Klimawandels und seiner Auswirkungen problematisch. Um die Durchlässigkeit der Landschaft zu erhöhen kommen als Verbindungselemente nicht nur bereits geschützte Gebiete wie z.B. Nationalparke in Betracht, sondern auch Landschaftsbereiche mit hoher Biodiversität außerhalb von Schutzgebieten (u.a. Fließgewässer, artenreiches Grünland). Die Notwendigkeit für den ökologischen Verbund spiegelt sich auch in seiner Verankerung in der Naturschutzgesetzgebung auf europäischer und der bundes- bzw. landesweiten Ebene wider (Alpenkonvention, Natura 2000).

 

Zur Erreichung eines grenzüberschreitenden Schutz des alpinen Raums sollen im Rahmen von ECONNECT innovative Methoden erarbeitet werden, welche eine effektive grenzüberschreitende Kooperation und die Harmonisierung des Vorgehens bei der Wiederherstellung ökologischer Verbindungen im gesamten Alpenraum ermöglichen. Neben den notwendigen analytischen und planerischen Arbeitsschritten auf der alpenweiten Ebene sollen innerhalb des Projektes in sechs Pilotregionen auch gezielt erste Umsetzungsmaßnahmen erfolgen, die an die jeweiligen spezifischen regionalen Bedürfnisse und Bedingungen angepasst sind.

 

Der Nationalpark Berchtesgaden ist der einzige deutsche ECONNECT-Projektpartner. In der grenzübergreifenden Pilotregion „Berchtesgaden – Salzburg“ sollen in den nächsten Jahren in enger Zusammenarbeit zwischen den Schutzgebieten der Region (Nationalpark Berchtesgaden, Naturpark Weißbach, Biosphärenreservat Berchtesgaden) sowie den weiteren relevanten Institutionen und Interessensvertretern erste Maßnahmen zum ökologischen Verbund geplant und umgesetzt werden.

 

Die grenzübergreifende Pilotregion „Berchtesgaden – Salzburg“ ist darüber hinaus aktiv in andere Initiativen zum ökologischen Verbund eingebettet. So wurde 2007 unter dem Dach der Alpenkonvention die Plattform „Ökologischer Verbund“ eingerichtet, um die gemeinsame Arbeit an einem alpenweiten ökologischen Netzwerk zu fördern und somit zur Umsetzung der Alpenkonvention beizutragen. Die Plattform ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis. Sie gibt den Alpenländern einen Rahmen, Erfahrungen auszutauschen sowie methodische Ansätze und Maßnahmen gemeinsam zu erarbeiten. Durch den engen Austausch mit allen Pilotregionen der Alpen soll so in einem alpenweit harmonisierten Prozess ein länderübergreifender ökologischer Verbund geschaffen werden. Hierzu leistet auch das Kontinuum-Projekt, das von Juni 2007 bis Dezember 2008 durch die MAVA-Stiftung für Naturschutz finanziert wurde, einen Beitrag. Im Rahmen des Projektes wurde eine alpenweit abgestimmte Methode sowie ein Katalog der möglichen Maßnahmen zur Lebensraumvernetzung erarbeitet.

 

Projektbearbeitung im Nationalpark Berchtesgaden:

Dr. Michael Vogel, Michaela Künzl, Anne Katrin Heinrichs

 

Projektlaufzeit

September 2008 bis August 2011

 

Pilotregion

Der Nationalpark Berchtesgaden bildet gemeinsam mit dem Landkreis Berchtesgadener Land und Teilen des LKr Traunstein sowie des angrenzenden österreichischen Bundeslandes Salzburg eine der sieben Pilotregionen des Projektes.

 

Der Planungsraum erstreckt sich weit über die Grenzen des Nationalpark Berchtesgaden und sogar über die Landesgrenze in das österreichische Bundesland Salzburg. Richtung Norden reicht das Gebiet bis in das Berchtesgadener Land und den Landkreis Traunstein in den Voralpenraum. Richtung Süden führt die Pilotregion über hochalpine Lagen der Kalkalpen und grenzt dort an die Pilotregion „Hohe Tauern – Südtirol“ an. Im westlichen Bereich grenzt direkt an den Nationalpark Berchtesgaden das österreichische Schutzgebiet „Naturpark Weißbach“ an.

 

Durch die räumliche Lage der Pilotregion werden enorme Höhenunterschiede erreicht. Diese Unterschiede gehen auf einer Gesamtfläche von 207.052 ha, von den Tieflagen (unter 500 m.ü.NN) im Voralpenraum bis in die alpinen Höhen der Kalkalpen mit fast 3000 m.ü.NN (Hochkönig 2943m). Durch die Höhenunterschiede sind unterschiedlichste klimatische Bedingungen gegeben, welche die vorkommenden Flächentypen charakterisieren.

Flächentyp Anteil in %

  • Wälder 56
  • Grünland 16
  • Offene Flächen ohne oder mit geringer Vegetation 14
  • Kraut/Strauchvegetation 10
  • Bebaute Flächen 3
  • Landwirtschaftliche Flächen 1
  • Feuchtflächen 0
  • Wasserflächen 0

 

Die klimatische Variabilität führt zu einer ausgeprägten Höhenzonierung der Vegetation, welche sich auch bei dem am meisten vorkommenden Flächentyp „Wälder“ bemerkbar macht. In den niederen Lagen dominieren meist Buchenmischwälder, in der montanen Stufe Fichten-Tannen-Buchenwälder. In der subalpinen Stufe herrschen Fichten-, Fichten-Lärchen und Lärchen-Zirben Wälder vor. Holznutzung, Wildhege und Viehweide veränderten auch die Zusammensetzung der Wälder. Durch die menschliche Nutzung herrschen heute häufig nadelbaumreiche Bestände vor.

 

Durch menschlichen Einfluss geprägtes „Grünland“ konzentriert sich insbesondere auf Niedere Höhenlagen der Voralpen und des Talraumes. Darunter fallen hauptsächlich Weidenflächen, aber auch Flächen auf denen Futtergras mechanisch geerntet wird. In diesen Flächentyp mit hohem prozentualem Vorkommen in der Pilotregion gehören auch Dauer- und Wechselweiden sowie künstlich angelegte Weiden.

 

Aufgrund der großen Anteile an Hochlagen sind „Offene Flächen ohne oder mit geringer Vegetation“ stark vertreten. Das geringe Vorkommen von Fauna ist durch schlechte Bodeneigenschaften begründet. Geröllhalden, Klippen, Felsen, anstehendes Gestein sind solche schlechten Standorte und bedingen eine geringe Vegetationsdichte. Auch Flächen eines Gletschers oder Dauerschneegebiete stellen Flächen dieses Typs dar. Da diese Flächen nur in höheren Lagen vorkommen ist das Hauptvorkommen in südlichen Teil der Pilotregion vorzufinden. Ein Beispiel für diesen Biotoptyp ist das südlich des Nationalpark Berchtesgaden liegende Steinerne Meer.

 

Ein vorkommender Flächentyp mit wesentlich dichterem Bewuchs ist die „Kraut- und Strauchvegetation“. In ihr kommt Busch und Krautvegetation vor, auch mit einzelnen Bäumen. Die Flächen sind aus Waldflächen durch allmähliche Degenerierung oder durch Aufforstung bzw. natürliche Verjüngung des Waldes entstanden. In hügeligem Gelände ist auch ertragsarmes Grünland, welches häufig mit Gestrüpp, Fels und Heideflächen durchsetzt ist vorzufinden. In der Pilotregion Berchtesgaden – Salzburg ist dieser Flächentyp über die gesamte Fläche an den Waldrändern zu finden.

 

Als weiterer Flächentyp wird die „bebaute Fläche“ genannt. In diese Kategorie fallen Flächen mit Bebauungsstruktur, Gebäuden, etc. Diese Flächen kommen im Planungsgebiet zwar nur vereinzelt und prozentual zwar nicht so häufig vor, stellen allerdings mit das größte Problem für die Verbindung von Lebensräumen dar.

 

Der Hauptanteil der „landwirtschaftlichen Flächen“ befindet sich in der Pilotregion im nördlichen und somit besiedelteren Teil. Auch dieser Nutzungstyp stellt trotz seines scheinbar geringen Vorkommens ein großes Problem für einen ökologischen Verbund dar. Diese Flächen sind stark durch die Nutzung geprägt und sind lediglich durch Flächen natürlicher Vegetation unterbrochen.

 

Wesentlich geringe Anteile stellen die im Gebiet vorkommenden „Feuchtflächen“ und „Wasserflächen“. Mit Feuchtflächen sind nicht bewaldete Flächen mit teilweiser, vorübergehender oder ständiger Feuchte gemeint. Hierfür kann fließendes oder auch stehendes Wasser die Ursache sein. Zu den Wasserflächen zählt man sowohl Wasserflächen als auch Gewässerläufe. Diese Flächen sind prozentual in der Flächenverteilung zwar nicht sichtbar, stellen im Planungsraum aber einen wichtigen und wertvollen Lebensraum.

Ziele

Als Ergebnis des Projektes sollen ökologische Verbindungen in der grenzübergreifenden Pilotregion verstärkt werden. Für diese Vernetzung werden nicht nur die vorkommenden Schutzgebiete auf österreichischer und deutscher Seite mit einbezogen, sondern auch die wertvollen Bereiche zwischen diesen geschützten Gebieten.

 

Mit diesem Projekt wird in der Region eine Grundlage zur Vernetzung der Lebensbereiche geschaffen. Auf dieser Grundlage soll auch noch nach Abschluss des dreijährigen Projekts aufgebaut werden, da die Umsetzung innerhalb dieser zeitlichen Begrenzung lediglich einen Anfang darstellt. Neben der Umsetzung dieser Maßnahmen ist ein weiteres Ziel die Verbesserung der länderübergreifenden Arbeit zwischen Deutschland und Österreich.

 

Des Weiteren wird in der Projektarbeit ein großes Augenmerk auf die regionalen Belange gelegt. Die beteiligten Partner, sowie all diejenigen, die mit der Region zu tun haben werden mit einbezogen. Die Umsetzung soll offen und unter Einbeziehung der Öffentlichkeit passieren.

Planungsprozess

Die konkreten Arbeitsschritte haben im Februar 2009 in der Pilotregion begonnen. Zu Beginn der Planung galt es eine Grundlage zu schaffen, mit der auch grenzübergreifend gearbeitet werden kann. Neben der Ausarbeitung und Beschaffung von Datengrundlagen sowie deren Harmonisierung bedeutet dies auch die Analyse der speziellen Eigenheiten bezüglich Vorkommen von Arten, möglichen Hindernissen und anderen besonderen Gegebenheiten der Region.

 

Dazu wurde zunächst ein Workshop mit Experten aller beteiligten Fachbehörden veranstaltet, um zu einer fachlich fundierten Einschätzung der regionalen Herausforderungen im Zusammenhang mit Verbundthemen zu kommen. Daraufhin wurden die Einschätzungen im Rahmen von Interviews mit Experten zu den vorgeschlagenen Arten und Themen überprüft. So konnte eine Auswahl an potentiellen Fokusarten und –themen erarbeitet werden.

 

Um die funktionale Einbindung der Pilotregion in ihre Umgebung abzubilden wurden vier regionale Themenschwerpunkte definiert.

 

  • I. Grenzübergreifender der Schutzgebietskomplex
  • II. Verbindung des Schutzgebietskomplexes mit dem Alpenvorland
  • III. Verbindung des Schutzgebietskomplexes mit den nördlichen Kalkalpen
  • IV. Verbindung des Schutzgebietskomplexes mit der angrenzenden
    Pilotregion Hohe Tauern – Südtirol

Thematische Schwerpunkte

Aufgrund dieser fachlich fundierten Einschätzungen wurden, bezogen auf die regionalen Gegebenheiten, Fledermäuse, Rothirsche, Weißrückenspecht, Rauhfußhühner und Schmetterlinge und deren Habitate als relevant eingestuft.

 

Für die nächsten Schritte ist die Vorbereitung konkreter Aktionen der folgenden Hauptthemengebiete vorgesehen. Die Ausarbeitung erfolgt in einem transparenten Planungsprozess unter Einbeziehung der regional beteiligten Partner.

 

  • Grenzübergreifende Kooperation stärken
  • Vertiefung des Wissens über die Verhaltensmuster wandernder Arten
  • Rahmenbedingungen analysieren
  • Sensibilisierung der Bevölkerung und Entscheidungsträger
  • Rechtliche Herausforderungen analysieren Raumbezogene Maßnahmen umsetzen
  • Aufbau eines regionalen Netzwerkes aus Partnern und Beteiligten Partner

Partner

Die Planung in der Pilotregion „Berchtesgaden – Salzburg“ ist nicht alleine von den Schutzgebieten oder Regierungen zu übernehmen. Die Arbeit betrifft weit mehr Institutionen und Vereine die in dem Projektgebiet arbeiten oder anderweitig mit der Region zu tun haben.

 

Um den Planungsprozess in der Region somit transparent zu gestalten werden alle Interessensvertreter eingebunden.

 

Durch eine enge Zusammenarbeit mit relevanten Experten wird der regionale Handlungsbedarf der Pilotregion ermittelt. Bei so genannten „Expertentreffen“ werden bestimmte Handlungsfelder identifiziert, um an die Region angepasste Aktivitäten zu entwickeln. Bei diesen Handlungsfeldern handelt es sich um bestimmte Habitattypen und Arten, die den regionalen Bedürfnissen hinsichtlich ökologischer Vernetzung entsprechen.

 

Zusätzlich zu externen Fachexperten werden auch die Gemeinden, Ämter, Vereine, Sportverbände und weitere Institutionen mit einbezogen. Nachdem all diese Einrichtungen von dem Projekt direkt oder indirekt betroffen sind ist es wichtig, sie zu informieren und deren Meinung aufzunehmen.

Weitere Informationen



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